Walter Kramme 1888 - 1949

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Als Junge von 15 Jahren erlernte Walter Kramme zunächst Werksmalerei bei einem Meister in seiner Geburtsstadt Bielefeld und besuchte dann 4 Jahre lang die dortige Kunstgewerbeschule, wo Ludwig Godewols – damals der gesamten Kunstwelt bekannt – ihn lehrte, Landschaften und Stillleben systematisch aufzubauen und malerisch durchzuführen. 1908/09 war er vorübergehend auch Schüler von Julius Diez in München. 1920 ließ er sich für dauernd in Detmold nieder und fand Verbindung zu dem damals noch sehr kleinen Lippischen Künstlerbund. Zwischenzeitlich unternahm Kramme immer wieder Studienreisen im In- und Ausland. Ganz besonders muss ihn die Küste Dalmatiens beeindruckt haben, wo eine Anzahl von starkfarbigen Aquarellen entstand, die in ihrer Unmittelbarkeit an die kleinen Bilder erinnern, die August Macke auf seiner Reise mit Paul Klee durch Tunis mehr skizzierte als malte. Dennoch galt Krammes Vorliebe mehr den französischen Impressionisten, wovon viele Bilder des späten Meisters – Motive vom Teutoburger Wald, von Alt-Detmold und Umgebung – Zeugnis ablegen. In den letzten Lebensjahren hat der Maler vorwiegend mit Pastellkreiden gearbeitet. Die Bilder dieser Zeit beweisen, mit welcher Meisterschaft Kramme das atmosphärische Leben der Natur mit ihren Licht- und Luftphänomenen zu behandeln wusste. In lippischen Galerien und in Privathand finden sich auch Zeichnungen und Radierungen aus den zwanziger Jahren, in denen er sich mit dem Expressionismus auseinandersetzte: Großstadtbilder mit Hinterhöfen, Fabrikanlagen, mit ihren abgehärmten Menschen.